Anders
als in Europa gibt es in Indien nicht wirklich eine Schulpflicht, und
nicht gebildeten Eltern ist die Wichtigkeit einer Ausbildung nicht klar.
Gerade
die Landbevölkerung lebt in Großfamilien, wo bei der Arbeit
in der Landwirtschaft jede helfende Hand benötigt wird. Die Aufgabe
der Kinder, insbesondere der männlichen Nachkommen, die mit ihren
Familien bei ihren Eltern wohnen, ist die Versorgung ihrer Eltern. Da
es kein Pesionssystem gibt, sind die männlichen Nachkommen die
Pensionsvorsorge. Während der Erntephase, und die ist in Indien
üblicherweise drei mal pro Jahr, werden alle Familienmitglieder
zur Hilfe am Feld benötigt, denn moderne Maschinen, wie Traktoren,
gibt es kaum. Sollten Kinder und Jugendliche nun zur Schule gehen, fehlen
diese Arbeitskräfte bei der Arbeit. Dies bringt der Familie einen
schlechteren Ertrag, und somit werden sie noch ärmer. Oft sind
die Felder von Großgrundbesitzer gepachtet. Sollte die Pacht nicht
bezahlt werden können, stellt der Großgrundbesitzer zwar
Geld zur Verfügung, dafür müssen aber Arbeitskräfte
der Familie an den Großgrundbesitzer abgetreten werden. Somit
arbeiten Kinder der Bauern für den Großgrundbesitzer für
einen Hungerlohn den Kredit ab. Mädchen werden meist für die
Hausarbeit eingesetzt, Buben für Feldarbeit oder in den Fabriken
des Großgrundbesitzers. Somit rutschen verarmte Familien immer
weiter in einen Teufelskreis, und eine fundierte Ausbildung ist in weiter
ferne.
Der Besuch der Grundschule ist in Indien kostenlos. Nur die Kosten für
Bücher und Schuluniform müssen von den Familien getragen werden.
Oft sind sogar diese Kosten für die Familien zu hoch, und zusätzlich
kommt noch der Ausfall einer Arbeitskraft. Die öffentlichen Schulen
leiden unter den immensen Lehrermangel in den unteren Schulstufen, so
ist das Lehrpersonal meist überlastet, und muss mehrere Klassen
gleichzeitig betreuen mit oft mehr als 60 Schüler pro Klasse. Weiters
sind die Anfahrtswege in der ländlichen Gegend oft sehr lange,
und der Unterreicht fällt öfters aus. Wieder einige Gründe,
die Kinder nicht in die Schule zu schicken.
Private Schulen
bieten zwar ein höheres Bildungsniveau, aber hier ist meist zusätzlich
Schulgeld zu bezahlen und Internatskosten, da diese Schulen nicht sehr
häufig zu finden sind, und so die Schüler über die Schulmonate
in der Schule bleiben. Hiergegen soll unser Patenkinder-Projekt
helfen, wo mittels Spenden diese Kosten gedeckt werden.
Schulsystem
in Indien
Nach der jahrzehnte
langen Kolonialisierung Indiens durch die Briten, ist auch nach der
Unabhängigkeit das englische Schulsystem installiert. Je nach größe
der Schule umfasst die Ausbildung bis zu 12 Jahren, was in etwa unserer
AHS-Matura entspricht. In kleinen Dörfern geht die Schule meist
über die Grundschule nicht hinaus, und ein weiterer Schulbesuch
ist ohne größere Anreise nicht möglich.
| Schultyp |
Alter |
Schulstufen |
| Nursery-School |
3-5 |
LKG, UKG (Lower/Upper
Kindergarten) |
| Primary-School |
5-10 |
School-Standard
I – V |
| Middle-School |
10-13 |
School-Standard
VI – VIII |
| Secondary.School |
13-15 |
School Standard
IX – X |
| Higher-Secondary |
15-17 |
School Standard
XI – XII |
Schulbau
in Paganday
Nach den ersten
beiden erfolgreichen Projekten in Nellikuppam, entschloss man sich eine
Privat-Schule in Paganday, dem Wohnort von Don Bosco, zu errichten.
Die größe des Projekts überstieg die beiden ersten um
weites, denn das Gebäude sollte mehreren hundert Schüler platz
bieten, und auch ein kleines Internat beinhalten. 1992 wurde der Grundsteingelegt,
als wieder eine Gruppe Österreicher vor Ort war, um beim Bau auch
selbst Hand anzulegen.
Erst
im Jahre 1998 konnte wieder eine Gruppe Österreicher vor Ort reisen,
und sich vom Fortschritt des Baus überzeugen, und selbst mitzuhelfen
(siehe auch Bericht „Arbeitseinsatz 1998“).
Langsam schritt der Bau voran, wo jede Wand in mühsamer handarbeit
aufgebaut wird, und die Materialien über holprige Landstraßen
herangeschafft werden mussten. Um Geld zu sparen, wurden auch die Ziegel
selbst gebrannt, dazu wurde Lehm herangebracht, und jeder Ziegel einzeln
mit der Hand geformt, anschließend wurden die weichen Lehmziegel
zu pyramiden aufgebaut. In freigelassenen Höhlen dieser Aufbauten
wurde ein Feuer entfacht, und so die Ziegel gebrannt. Bei dem großen
Bau der Schule waren dazu einige zehntausende Ziegel notwendig. 1998
wurde der Rohbau fertiggestellt, und in einer Blitzaktion bis zum Mai
1999 fertig ausgebaut.
Bei
einem weiteren Besuch durch eine Gruppe aus Österreich wurde der
Bau kaum wieder erkannt, nachdem der Putz fertig war, und Fenster und
Türen vorhanden (siehe Bericht „Ein
neuer Morgen bricht an“). Emsig wurde überall gearbeitet,
um auch alles zur Eröffnung fertig zu haben. Zur Eröffnung
ist extra der Bischof aus Chennai (Madras) angereist, und eine primitive
Tonanlage lies die Dörfer in der näheren Umgebung zumindest
akustisch daran teilhaben.
Zwei Tage darauf
erfolgte die offizielle Eröffnung durch einen Beamten des Dorfes,
und dem Schulbetrieb steht nichts mehr im Wege.
Heute
besuchen über 500 Schüler die Schule „St. Don Bosco
Educational Institute“, die österreichischer Hilfe erst möglich
war. Um den Kindern der umliegenden Dörfer auch die Möglichkeit
zu einer höheren Schulbildung zu geben, hat dieses Institut eine
Lizenz bis zur 12. Schulstufe. Viele der Schüler an dieser Schule
stammen aus unserem Patenkinder-Projekt, und die Schulbeiträge
dieser Schüler, die von ihren Pateneltern finsnziert werden, erhalten
gleichzeitig unser großes Schulprojekt.

  
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